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Gleichmäßig spontan.

  • kubinastefan
  • vor 13 Stunden
  • 3 Min. Lesezeit

Manchmal führe ich Gespräche mit mir selbst, ganze Diskussionen. Manchmal spricht dabei mein heutiges Ich, mit einem Älteren oder wie diesmal mit meinem 25 jährigen Ich. Das ist manchmal absurd, aber meistens auch irgendwie gewinnbringend.


Gleichmäßigkeit/ Spontaneität / Balance



Eine Unterhaltung mit mir Selbst

Am Ende eines jeden Monats besuche ich meine alte Heimat Wien. Das war so zwar nicht geplant, hat sich aber im ersten halben Jahr, seit wir nach Salzburg gezogen sind, so etabliert. Ausschlaggebend für die regelmäßigen Besuche in der Hauptstadt sind berufliche Gründe, aber ich nutze die Zeit auch intensiv für private Treffen und die Pflege meiner Freundschaften und familiären Beziehungen. Mein Reisemittel der Wahl ist die Bahn, in erster Linie, weil ich im Zug je nach Energielevel noch arbeiten kann oder mich entspannen. Oder ich kann mich, wie zuletzt vor wenigen Tagen, mit mir selbst beschäftigen und in Ruhe über Dinge nachdenken. Solche Momente lassen sich meiner Erfahrung nach schlecht planen, sie passieren einfach und umso schöner ist, wenn man Gelegenheit hat, sie auch anzunehmen. Diesmal hat sich mein 25 jähriges Ich bei mir gemeldet, wir haben uns über das Leben unterhalten und wie es sich so entwickelt hat. 






Mit 25 schon 66

Ich behaupte oft, dass ich schon mit 25 eigentlich 66 war. Das sieht der 25 jährige Stefan gar nicht so. Vielmehr findet er, dass sich mein Leben in den vergangenen Jahren stark verändert hat. Er sagte, ich hätte Spontaneität und Impulsivität gegen Rituale und Gleichmäßigkeit eingetauscht, was mein heutiges Ich ein bisschen anders sieht. Es hat sich also eine interessante gedankliche Diskussion entsponnen, was denn nun besser sei, die jugendliche Impulsivität oder die gesetztere Gleichmäßigkeit. Und die Antwort gleich vorweg - es hat beides seine Vorzüge und Nachteile.




Ein Plädoyer für die Spontaneität

Sich vom Leben treiben zu lassen und in den Tag hineinzuleben, wie es so schön heißt, hat mir mit Sicherheit einige der schönsten Erfahrungen meines Lebens beschert. Die Neugierde, Neues zu entdecken und flexibel auf alles zu reagieren, was einem das Leben gerade so anbietet, birgt eine große Freiheit. Die einzige Verbindlichkeit, das einzige Prinzip ist die Maximierung des “Jetzt-gerade-gut-Findens”. Was heute meine Lieblingsbeschäftigung ist, kann morgen längst obsolet sein und wenn kümmert es, es gibt so viele Möglichkeiten, warum sich festlegen? Wer sich vom Leben treiben lässt, der hat jeden Augenblick die Gelegenheit etwas zu entdecken, wonach er gar nicht gesucht hat. Ein Leben ohne diese Freiheit ist möglich, aber sinnlos.




Ein Plädoyer für die Gleichmäßigkeit

Auf und ab, hin und her. Der ständige Wechsel von allem, was einen umgibt, verbreitet unbotmäßige Unruhe. Tiefe Verbundenheit kann nicht entstehen, weil nichts lange genug wichtig bleibt. Ein geordneter Tag, ein strukturiertes Leben, entbindet von der Verantwortung ständig neue Entscheidungen zu treffen, es muss nicht in jedem Moment abgewogen werden, was richtig ist und was nicht. Es gibt klare Prinzipien, die für einen ruhigen, fokussierten und klaren Geist sorgen, der nicht wie ein Affe von Baum zu Baum springt. Regeln und Rituale sind Grenzen, die Möglichkeiten ausschließen und damit den unbegrenzten Raum abschließen, so dass wir nicht verloren gehen. Ein Leben ohne Grenzen ist kein Leben in Freiheit, sondern in der Beliebigkeit.




Mein Leben braucht Beides

Ich habe mir über die vergangenen 10 Jahre tatsächlich eine ganz ansehnliche Menge an Routinen und Ritualen zugelegt und für recht viel Gleichmäßigkeit in meinem Leben gesorgt. Und es gab und gibt wahrscheinlich immer wieder Punkte in meinem Leben, an denen ich es mit meinem Wunsch nach Ausgeglichenheit etwas übertreibe. Aber ich habe es niemals aufgegeben, mich immer wieder vom Leben treiben zu lassen und zu sehen, wohin es mich führt. Ich glaube, eine der größten Weisheiten, die ich in meinem Leben für mich gefunden habe, ist die, zu bemerken, wann es Zeit für Gleichmäßigkeit ist und wann es Zeit ist loszulassen und sich ganz ungeplant einzulassen. Ein gelungenes Leben hat ausreichend Struktur, um die Freiheit der Spontaneität genießen zu können. 





Der Weg ist Achtsamkeit.

Die Balance zwischen Spontaneität und Gleichmäßigkeit liegt bei jedem Menschen an einer anderen Stelle. Und auch der Weg zu dieser Balance sieht für jeden Menschen anders aus. Für mich war die Beschäftigung mit und die Übung von Achtsamkeit ein entscheidendes Element. Falls du Anregungen brauchst oder dich mit jemandem austauschen möchtest, freue ich mich, wenn du dich meldest.  


 
 
 

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